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Wenn die Nachfolge im Familienunternehmen stockt
Die Nachfolge im Familienunternehmen ist seit Jahren geplant und kommt trotzdem nicht voran? Die Verträge liegen bereit, aber niemand mag sie unterschreiben? Am Esstisch wird über alles gesprochen, nur nicht über die Frage, wer das Unternehmen künftig führt? Wenn die Nachfolge stockt, liegt es selten an den Zahlen, sondern meist an dem, was zwischen den Menschen noch ungeklärt ist.
Ich bin selbst in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und weiß aus eigener Erfahrung um die Familiendynamiken und die Herausforderungen, die damit verbunden sind. In meiner Arbeit mit Unternehmerfamilien im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus erlebe ich immer wieder, dass die fachlichen Fragen längst vorbereitet sind, während die eigentliche Übergabe noch gar nicht begonnen hat. Genau dort setze ich an: Ich begleite die menschliche und emotionale Seite der Nachfolge.
Warum Nachfolgen selten an Zahlen scheitern
Eine Unternehmensnachfolge ist weit mehr als die Entscheidung darüber, wer künftig führt. Sie verändert Rollen, Verantwortung, Beziehungen und Entscheidungswege, und sie berührt drei Ebenen gleichzeitig: das Unternehmen, die Familie und jeden einzelnen Menschen darin. Für die Unternehmensebene gibt es erfahrene Fachleute. Für die Familie und die einzelnen Menschen darin gibt es oft niemanden.
Genau dort entstehen die Blockaden: in unausgesprochenen Erwartungen, alten Kränkungen, Loyalitäten zwischen Geschwistern und der Sorge der Eltern um den Familienfrieden. Solange diese Themen keinen Raum bekommen, wirken sie im Hintergrund weiter und halten den Prozess an, ohne dass jemand genau benennen könnte, warum.
Die abgebende Generation: Loslassen ohne sich zu verlieren
Für die abgebende Generation, die SenGen, bedeutet Nachfolge, das eigene Lebenswerk in andere Hände zu legen. Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist das eine sehr persönliche und tiefgreifende Veränderung. Mit der Verantwortung geht oft auch ein Teil der eigenen Identität, der Tagesstruktur und der Anerkennung, die über Jahrzehnte selbstverständlich war.
Wer zögert, tut das deshalb selten aus Misstrauen gegenüber der nächsten Generation. Häufig fehlt ein klares Bild davon, wer man nach der Übergabe sein wird, und die Frage, wie man loslassen kann, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Eine neue Rolle zu finden, etwa im Beirat, als Ratgeber oder ganz außerhalb des Unternehmens, gehört deshalb zu einer gelingenden Nachfolge dazu.
Die annehmende Generation: Führungsidentität entwickeln
Die annehmende Generation, die NextGen, steht vor einer ganz eigenen Herausforderung. Sie soll Verantwortung übernehmen und zugleich Respekt vor dem zeigen, was die Eltern aufgebaut haben. Sie soll eigene Wege gehen und wird doch an der vorherigen Generation gemessen, im Unternehmen wie in der Familie.
Nicht selten kommen Zweifel hinzu: Will ich das wirklich, oder erfülle ich eine Erwartung? Traue ich mir die Rolle zu? Darf ich Dinge anders machen? Diese Fragen verdienen eine ehrliche Antwort, bevor die Übergabe vollzogen wird, nicht danach. Bewahren und Erneuern sind dabei keine Gegensätze: Wer das Gewachsene würdigt, gewinnt oft gerade dadurch die Freiheit, eigene Wege zu gehen. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger, der aus Pflicht übernimmt, trägt diese Last oft über viele Jahre.
Die Familie als dritte Ebene
Zwischen den Generationen steht die Familie. Geschwister, die nicht ins Unternehmen gehen, Partnerinnen und Partner, die eigene Vorstellungen mitbringen, Eltern, die gerecht sein wollen und doch nicht alle gleich behandeln können. In vielen Unternehmerfamilien gibt es eine unausgesprochene Regel, dass über das Unternehmen geschäftlich und über die Familie privat gesprochen wird. In der Nachfolge lässt sich diese Trennung nicht aufrechterhalten.
Eine Familie, die lernt, beides offen und strukturiert zu besprechen, gewinnt dabei weit mehr als eine geregelte Übergabe: Vertrauen, Klarheit und eine Gesprächskultur, die auch künftige Entscheidungen trägt. Wie Familienverfassung und Family Governance diesen Rahmen dauerhaft sichern können, beschreibe ich auf meiner Seite Family in Business.
Ein Fahrplan schafft Orientierung
Wenn die Themen auf dem Tisch liegen, braucht es Struktur. Ein gemeinsamer Nachfolgefahrplan legt fest, wer wann welche Verantwortung übernimmt, welche Rolle die abgebende Generation künftig hat, wie Entscheidungen in der Übergangszeit getroffen werden und wann die Familie sich wieder zusammensetzt, um den Stand zu prüfen. Ein solcher Plan nimmt Druck aus dem Prozess, weil nicht mehr alles gleichzeitig geklärt werden muss.
Die Übergangsphase selbst ist für alle Beteiligten anstrengend, weil doppelte Verantwortung, ungewohnte Rollen und emotionale Gespräche viel Kraft kosten. Deshalb achte ich in der Begleitung auch darauf, dass die Menschen in dieser Zeit gesund leistungsfähig bleiben. Was ich darunter verstehe, beschreibe ich auf der Seite zur gesunden Leistungsfähigkeit.
Wann eine externe Begleitung sinnvoll ist
Eine externe Begleitung ist dann sinnvoll, wenn die Familie merkt, dass sie sich im Kreis dreht, wenn Gespräche immer an derselben Stelle abbrechen oder wenn einzelne Familienmitglieder gar nicht mehr miteinander sprechen. Als neutrale Sparringspartnerin, die nicht Teil der Familie ist, kann ich Themen ansprechen, die intern niemand ansprechen mag, und dafür sorgen, dass jede Stimme gehört wird.
In meinem Nachfolge-Coaching verbinde ich je nach Situation vertrauliche Einzelcoachings mit SenGen und NextGen, moderierte Familienworkshops, Sparring zur Führungsentwicklung der Nachfolgegeneration und die Begleitung des Nachfolgefahrplans. Meine Arbeit ergänzt die rechtliche und steuerliche Beratung, sie ersetzt sie nicht. Für diese Arbeit habe ich mich bei der IHK im Bereich Unternehmensnachfolge weitergebildet, und als systemische Organisationsentwicklerin habe ich gelernt, auf das Zusammenspiel von Menschen und Organisation zu schauen.
Wer sich zunächst mit anderen Familienunternehmern austauschen möchte, findet dafür im Familienunternehmerkreis einen persönlichen Rahmen.
Die Begleitung findet bei Ihnen im Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet, in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz oder Darmstadt, bundesweit oder an einem neutralen Ort statt. Am Anfang steht ein kostenloses Erstgespräch von 20 Minuten per Telefon oder Microsoft Teams. Den Kontakt finden Sie auf meiner Kontaktseite.
FAQ
Warum stockt die Nachfolge in vielen Familienunternehmen?
Die Nachfolge im Familienunternehmen stockt meist nicht an fachlichen Fragen, sondern an ungeklärten Rollen, Erwartungen und Beziehungen in der Familie. Die abgebende Generation fürchtet den Verlust ihrer Rolle, die Nachfolgegeneration zweifelt oder fühlt sich nicht gesehen, und Geschwister haben eigene Interessen. Solange diese Themen keinen Raum bekommen, kommt der Prozess nicht voran.
Was macht ein Nachfolge-Coaching?
Ein Nachfolge-Coaching begleitet die menschliche, emotionale und führungsbezogene Seite des Generationswechsels. Es klärt Rollen und Erwartungen, löst Konflikte in der Unternehmerfamilie und unterstützt die Nachfolgegeneration darin, ihre Führungsidentität zu entwickeln. Es ergänzt die rechtliche und steuerliche Beratung, ersetzt sie aber nicht.
Wie lange dauert eine Begleitung der Unternehmensnachfolge?
Eine Begleitung der Unternehmensnachfolge erstreckt sich je nach Ausgangslage meist über mehrere Monate bis über ein Jahr. Entscheidend sind die Zahl der Beteiligten, der Stand der Gespräche und der geplante Zeitpunkt der Übergabe. Den passenden Rahmen klären wir im Erstgespräch.
Was hilft einem Seniorunternehmer beim Loslassen?
Beim Loslassen hilft vor allem ein klares Bild davon, welche Rolle man nach der Übergabe einnehmen möchte. Wer weiß, wofür er künftig steht, kann Verantwortung leichter abgeben, ohne das Gefühl, mit dem Unternehmen auch einen Teil von sich selbst aufzugeben. Im Coaching erarbeiten wir dieses Bild und legen gemeinsam fest, wie die Übergabe Schritt für Schritt erfolgt.
Begleiten Sie Familienunternehmen im Rhein-Main-Gebiet auch vor Ort?
Ja, ich begleite Familienunternehmen im gesamten Rhein-Main-Gebiet, also in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Umgebung, direkt im Unternehmen oder an einem neutralen Ort, und darüber hinaus bundesweit. Einzelgespräche sind auch online möglich.
